Sächsische Zeitung vom 28.Februar 2005

Ein Räuber als Besuchermagnet


Eibau.Räuberhauptmann Karasek zieht in den Faktorenhof ein und treibt dort sein Umwesen zur Freude der Besucher.


Diese Musik kennen wir doch. Nur, was ist das?

Mit lautem Geklapper seiner Holzpantinen schlürft ein alter gebeugter Mann mit Laterne in den düsteren Raum. Doch Willi Schwabe ist es nicht, der einst in seiner "Rumpelkammer" alte, längst angestaubte und doch so schöne Filme zeigte. "Wir haben uns ganz bewusst für diesen Einstieg entschieden", erzählt Sven Heine. Es sei reine Psychologie. Schließlich will er sein Publikum fesseln.

Der Mittelherwigsdorfer hat sich in einem Nebengebäude des Faktorenhofes eingemietet - erst einmal bis Ende des Jahres. Hier will er mit seinem Ein-Personenstück "Die unglaublich wahre Geschichte des Räuberhauptmann Karasek" einem breiten Publikum näher bringen.

Natürlich, um sich selbst zu vermarkten. Es gehe ihm aber auch um die Region, um ein Produkt, das Urlauber anzieht, für Gäste attraktiv ist. Davon könnten dann wieder viele andere mitprofitieren, sagt der 32-Jährige.
Und so lud er vorigen Donnerstag Wirte aus der Kottmarregion und das Querxenland ein, um sein "Produkt" vorzustellen. Gemeinsam mit Jan Baake, einem früheren Schauspieler des Zittauer Theaters hat Heine sein Ein-Personenstück inszeniert.

"Wir haben dafür Archive gewälzt, um wirklich authentisch zu sein", sagt er. Denn die wahre Geschichte des legendären Räubers sei ihm wichtig. Und so ist sein Theaterstück nicht nur eine tolle Show in einem trefflichen Ambiente - in einer Art Kellergewölbe zeichnet er die Lebensgeschichte des Räubers.
Es ist zugleich eine Art Geschichtsvorführung. Denn Karaseks Geburt, Ausbildung, Wanderschaft, Haft, Hochzeit betten die Macher stets in die Regionalgeschichte ein.

Zuweilen geht es da schon sehr brutal, sehr roh zu. "Unser Stück ist nichts für kleine Kinder, sondern eignet sich so für ein Publikum ab zwölf Jahre", sagt Sven Heine. Mehrmals zieht er sich während des Stückes um, mal lacht er, ist zufrieden.

Dann wieder zittert er wie Espenlaub, zeigt Todesangst, wenn ihm die Häscher zu nahe kommen. Teils könnte einem der Mensch leid tun, weil er immer wieder Pech zu haben scheint. Doch der Karasek ist ein Schlitzohr, der auch vor einem Mord nicht zurückschreckt.
Nicht nur in der Oberlausitz hat der Prager Hansel, wie er auch genannt wurde, seine Spuren hinterlassen. Er hat auch eine Zeit lang in Wiesa gelebt, war in Görlitz und Bautzen inhaftiert, hat in der Dresdner Hofkirche geheiratet.

"Unsere Geschichte basiert auf Original Gerichtsakten, die wir in Dresden eingesehen haben", erzählt Sven Heine. Innerhalb einer Woche hat er sein neues Domizil eingerichtet, hat Kabel verlegt und Boxen versteckt, über die nicht nur die Saufgelage mit Karaseks Kumpanen, sondern auch das Kampfgetümmel beim Militär, von wo der Räuber zweimal desertierte, oder die Geräuschkulisse bei den Raubzügen eingespielt werden.

Drei Nächte in einem Löbauer Tonstudio und die professionelle Unterstützung einiger Schauspieler haben sich gelohnt. Oftmals glaubt der Zuschauer, tatsächlich mittendrin zu sitzen im Getümmel. Dann dreht er sich um. Lauscht, guckt.

"Ich kann nur Gefühle ausdrücken", sagt Sven Heine. Die Reaktion des Publikums ist ihm wichtig, deshalb wird nach der 60-Minutenvorstellung noch gesprochen. Die Wirte fanden das Stück gut und hoffen nun natürlich, dass mancher Gast danach noch bei ihnen einkehrt.

Dann hätte der alte Karasek auch für sie noch sein Gutes.